Zahlreiche Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass Innovationen der zentrale Motor für Produktivität und Wachstum sind. Gleichzeitig ist in der längerfristigen Betrachtung in vielen Ländern weltweit in den vergangenen beiden Dekaden eine Verlangsamung des Produktivitätswachstums zu beobachten. Angesichts der zentralen Bedeutung von Innovationen könnte dies auf sich ausschöpfende technologische Potenziale hindeuten, die zum einen für die Unternehmen nur mit höherem Aufwand zu realisieren sind und zum anderen auch mit geringeren Produktivitätszuwächsen einhergehen (Bloom et al. 2017). Beides führt dazu, dass die langfristigen Gewinne aus Innovationen fallen und sich Unternehmen aus Innovationsaktivitäten zurückziehen (Peters et al. 2017). Demgegenüber steht die Hypothese, dass der Productivity Slowdown eher eine vorübergehende Beobachtung ist. Insbesondere digitale Technologien und ihre Anwendungen in der Produktion stehen erst am Anfang ihrer Entwicklung, werden aber zukünftig weitreichende Entwicklungssprünge und damit einhergehende Produktivitätsfortschritte ermöglichen (Brynjolfsson und McAfee 2014). Neben diesen beiden zentralen Hypothesen gibt es weitere Erklärungsansätze, die den Productivity Slowdown unter anderem auf eine geringere oder verzögerte Diffusion von Innovationen in der Volkswirtschaft, den Strukturwandel (Nachfrage verschiebt sich mit zunehmendem Einkommen zu anderen Sektoren wie dem Dienstleistungssektor, Produktivitätssteigerungen und internationale Arbeitsteilung verändern sektorale Struktur von Volkswirtschaften), fehlende Qualifikation der Beschäftigten zur Ausnutzung technologischer Potenziale vor allem im Bereich der digitalen Technologien und Messprobleme zurückführt.
Im Rahmen des Projekts wurde (i) auf Basis eines Studiums der empirischen Literatur untersucht, welche Rolle bei der Verlangsamung des Produktivitätswachstums Forschung, Innovationen und Digitalisierung allgemein spielen, (ii) die langfristige Produktivitätsentwicklung in den neun Ländern Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich, Schweden, Schweiz, China, Japan und Südkorea dargestellt und (iii) untersucht, welche länderspezifische empirische Evidenz für die Rolle von Forschung, Innovation, Digitalisierung vorliegt bzw. die wesentlichen in der Literatur genannten Ursachen für die Produktivitätsentwicklung in den neun genannten Ländern beleuchtet.
Das Projekt bildete einen Teil der Untersuchungen zur Langfristentwicklungen von Innovation und Produktivität und zur Frage, ob die Wirtschaft in eine Phase der säkularen Stagnation eingetreten ist. Ein Parallelprojekt befasst sich mit der Erfassung langer Innovatorenraten.