Die europäischen Immobilienmärkte sind seit einigen Jahren durch eine zunehmend stärkere Kapitalmarktorientierung geprägt. Dies kommt im Finanzierungsverhalten von Immobilieninvestoren zum Ausdruck, das allein wegen tendenziell steigender Finanzierungsvolumina und der Notwendigkeit zur Diversifikation von Risiken zunehmend auf die Akquisition von Eigenkapital und Fremdkapital am organisierten Kapitalmarkt ausgerichtet ist. Die zunehmende Verbreitung neuer Kapitalmarktinstrumente (im Eigenkapitalbereich z.B. Real Estate Investment Trusts (REITs), im Fremdkapitalbereich Verbriefung von Forderungen) führt zu einer größeren Akzeptanz und Rentabilität dieser Finanzierungswege. Sowohl für institutionelle als auch für private Anleger eröffnen sich in diesem Zusammenhang neue Möglichkeiten der Portfoliodiversifikation. Im Bereich der institutionellen Anleger spielen hier seit einiger Zeit kurz- und mittelfristig orientierte Investoren (sog. Opportunity Funds und Private Equity Funds) eine wichtige Rolle. Darüber hinaus ist eine Umorientierung langfristig ausgerichteter Anleger (z.B. in der Versicherungswirtschaft) von der direkten Investition in Immobilien auf die indirekte Anlage in immobilienbasierten Kapitalmarktprodukten zu beobachten. Dem privaten Anleger bieten solche Anlageformen grundsätzlich ebenfalls Alternativen zur direkten Anlage in selbst genutztes oder vermietetes Wohneigentum. Die aktuellen Verwerfungen am Markt für Hypothekenkredite mit niedriger Bonität (Subprime-Kredite), die Folgewirkungen im Finanzsystem und die realwirtschaftlichen Konsequenzen lassen aber auch erhebliche Risiken immobilienbasierter Kapitalmarktinvestments deutlich werden. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW) hat vor diesem Hintergrund im Rahmen des Paktes für Innovation und Forschung ein wissenschaftliches Netzwerk initiiert, das sich mit den Auswirkungen dieser Veränderungen auf Immobilien- und Kapitalmärkte befasst. Ziel dieses Netzwerkes ist es, Kompetenzen aus verschiedenen Bereichen (Kapitalmarktforschung und Finanzierung, Immobilienökonomie, Regionalwissenschaft, Demographie, Rechtwissenschaft, Ökonometrie) zusammenzuführen und dauerhafte Arbeitsbeziehungen zwischen den beteiligten Institutionen und Wissenschaftlern zu etablieren. Zentrale Fragestellungen, die im Rahmen dieses Netzwerkes bearbeitet werden, sind:
– Welche Auswirkungen hat der zunehmende Einfluss von Finanzinvestoren auf die Entwicklung der Wohnungsmärkte, der Wohnquartiere, der gewerblichen Immobilienmärkte sowie der Stadt?
– Haben sich die Zusammenhänge zwischen Immobilienmärkten und Kapitalmärkten verstärkt und hat damit auch die Ansteckungsgefahr durch Krisen (Beispiel: die aktuelle Subprime-Krise) auf dem jeweils anderen Markt zugenommen?
–Wie sind die Diversifikations- und Liquiditätseffekte neuer immobilienbasierter Kapitalmarktinstrumente in kurz-, mittel- und langfristiger Sicht zu beurteilen?