Die Funktion von Patenten und anderen Schutzrechten für das intellektuelle Eigentum hat sich in den neunziger Jahren grundlegend gewandelt.

Der Wandel äußert sich in einem Phänomen, das als "Patent-Paradoxon" in die ökonomische Literatur eingegangen ist. Trotz einer vorsichtigen Einschätzung der Schutzfunktionen von Patenten für die Erträge aus FuE-Aktivitäten steigt die Zahl der Patentanmeldungen deutlich stärker als die FuE-Aufwendungen der Unternehmen. Patente haben eine strategische Bedeutung erhalten, die über die eigentliche Funktion der Aneignung von direkten Erträgen aus Innovationen hinausgeht. Diese strategische Bedeutung wird vielfach nicht mehr von individuellen Patentrechen, sondern von miteinander vernetzten Einzelpatenten getragen, die als Patentdickichte bezeichnet werden.

Ziel des Projektes sind die theoretische Strukturierung und die empirische Analyse der Gründe für den beobachteten Wandel in der Verwendung von Patenten.
Die traditionell zur Erklärung von Innovations- und Patentierungsentscheidungen eingesetzten Modelle werden daher einer gründlichen Erweiterung oder Neukonzeption unterworfen. Bisher war es üblich, die Schutzwirkung individueller Patente für einzelne Produkte zu beschreiben und deshalb Patent und Produkt gleichzusetzen. Mit diesem Ansatz wird das immer wichtiger werdende Phänomen vernachlässigt, dass viele Patentrechte nie in Produkten oder Prozessen eingesetzt werden, sondern lediglich blockierende Funktion für Wettbewerber haben. Außerdem wird bei der klassischen Modellierung übersehen, dass die strategische Wirkung von Patentrechten neuerdings eher aus funktional miteinander verknüpften Patentrechten entsteht. Nur über eine Erweiterung bzw. Neukonzeption bisheriger Ansätze sind die in deskriptiven empirischen Untersuchungen beschriebenen Phänomene wie Kreuzlizensierung, Patent-Pools oder Patentfamilien explizit modellierbar und die strategischen Konsequenzen ihres Einsatzes innerhalb einer theoretischen Analyse bewertbar.

Zur Prüfung der aus der theoretischen Betrachtung abgeleiteten Hypothesen wurden die Unternehmensdaten des Mannheimer Innovationspanel mit den Patentdaten des European Patent Office zusammengeführt. In einem nächsten Arbeitsschritt werden einzelne Patentrechte zu neuartigen Analyseeinheiten wie strategischen Patentfamilien zusammengefasst.

Das Projekt ist Teil des ersten Sonderforschungsbereichs/Transregio in den Wirtschaftswissenschaften: Governance und die Effizienz ökonomischer Systeme (siehe Sonderforschungsbereich/Transregio15).

Zuwendungsgeber

Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn, DE

Projektzeitraum

01.01.2004 - 31.12.2011

Kontakt
Kooperationspartner

Freie Universität Berlin, Berlin, DE
Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, DE
Ludwig-Maximilians-Universität München, München, DE
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Bonn, DE
Universität Mannheim, Mannheim, DE
Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, Bonn, DE