Die Bekämpfung der aktuellen Wirtschaftskrise und die Sicherung von langfristiger Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum stellen große Herausforderungen für die Politik in Europa dar. Da Innovationen als wesentliche Triebfeder für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und damit langfristig auch für das Wirtschaftswachstum angesehen werden, stehen sie auf der politischen Agenda hoch im Kurs. Viele Studien haben empirisch gezeigt, dass mit Innovationen positive private und soziale Erträge (in Form von Produktivitätszuwächsen) verbunden sind und sie zu Beschäftigungswachstum beitragen. Inwieweit Innovationen auch in Krisenzeiten Produktivität und Beschäftigung stimulieren können, ist zentrale Frage dieses Projekts.

Die Literatur, die sich bislang mit Innovationen und dem Konjunkturverlauf beschäftigt hat, hat sich im Wesentlichen auf die Frage konzentriert, wie sich der Konjunkturzyklus auf das Innovationsverhalten der Unternehmen auswirkt. Es wurde bislang jedoch nicht untersucht, ob und wenn ja inwieweit die Erträge aus Innovationen – sei es in Form von Produktivitätswachstum oder Beschäftigungswachstum – im Konjunkturverlauf variieren. Zum Beispiel könnten aktuelle konjunkturelle Rahmenbedingungen eine Rolle dabei spielen, inwieweit Unternehmen Kosteneinsparungen infolge von Prozessinnovationen an ihre Kunden weitergeben und damit wie hoch das Beschäftigungswachstum von Prozessinnovationen ausfällt. Produktinnovationen wirken im Wesentlichen über Nachfrageeffekte auf die Beschäftigung und dürften damit ebenso vom Konjunkturzyklus abhängen.  

Unter Verwendung der Daten des Mannheimer Innovationspanels (MIP) und verschiedener Wellen der europaweiten Innovationserhebungen (CIS) sowie des von Harrison et al. (2008) vorgeschlagenen Modells, hat das Projekt folgende Fragestellungen untersucht:

  • Stimulieren Produkt- und Prozessinnovationen das Produktivitätswachstum von Unternehmen?
  • Stimulieren Produkt- und Prozessinnovationen das Beschäftigungswachstum? Oder findet ein Wachstum ohne damit einhergehender Entstehung neuer Arbeitsplätze statt?
  • Hängen die Produktivitäts- und Beschäftigungseffekte von Innovationen vom Konjunkturzyklus ab?
  • Schaffen Unternehmen zum Beispiel weniger Beschäftigung infolge von Produktinnovationen in Rezessionsperioden?
  • Sind die beschäftigungseinsparenden Effekte von Prozessinnovationen in Rezessionsphasen starker als in Aufschwung- oder Boomphasen?
  • Oder ist die zugrundeliegende Beziehung zwischen Innovationen und Beschäftigung im Konjunkturverlauf konstant? Selbst dann könnten Innovationen zum Beispiel in Rezessionen weniger zum Beschäftigungswachstum beitragen, wenn Unternehmen in dieser Phase des Konjunkturzyklus ihre Innovationsaktivitäten zurückfahren.
  • Inwieweit variieren Beschäftigungs- und Produktivitätseffekte von Innovationen im Konjunkturverlauf zwischen verschiedenen Industrien?

Die Ergebnisse des Projekts sind in den Competitiveness Report 2014 der Europäischen Union eingeflossen.

Eine Kurzzusammenfassung der Hintergundstudie (in englisch) kann hier heruntergeladen werden.

Die Langfassung der Hintergrundstudie finden Sie hier.

Ausgewählte Publikationen

Beiträge in referierten Fachzeitschriften

Dachs, Bernhard, Martin Hud, Christian Köhler und Bettina Peters (2017), Innovation, Creative Destruction, Structural Change: Firm-level Evidence from European Countries, Industry and Innovation 2(4), 346-381.

Discussion Papers und Working Papers

Dachs, Bernhard, Martin Hud, Christian Köhler und Bettina Peters (2016), Innovation, Creative Destruction, and Structural Change: Firm-Level Evidence from European Countries, ZEW Discussion Paper No. 16-077, Mannheim, LLL:citation.label.journal: Industry and Innovation. Download

Gutachten

Peters, Bettina, Bernhard Dachs, Martina Dünser, Martin Hud, Christian Köhler und Christian Rammer (2014), Firm Growth, Innovation and the Business Cycle. Background Report for the 2014 Competitiveness Report, European Commission, Enterprise and Industry Directorate-General, Mannheim. Download