In Deutschland haben Personen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren im Vergleich zu jüngeren Personen eine niedrige Erwerbsbeteiligung. Das tatsächliche Renteneinstiegsalter liegt deutlich unter dem regulären Einstiegsalter von 65 Jahren. Neben den zahlreichen Frühverrentungsmöglichkeiten gilt der rasante technologische Fortschritt der vergangenen Jahre als ein möglicher Grund für diese Situation. Älteren Arbeitnehmern, so die Hypothese, fiele es schwer, sich an die durch die Einführung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) veränderten Anforderungen am Arbeitsplatz anzupassen.

Das Projekt IKT-Einsatz und die Altersstruktur der Beschäftigten überprüfte die These eines altersfeindlichen IKT-Einsatzes. Die Ergebnisse im ersten Teil der Analyse zeigen, dass ältere Arbeitnehmer eine geringere Wahrscheinlichkeit haben, am Arbeitsplatz einen Computer zu nutzen als jüngere. Die Regressionsergebnisse machen insbesondere deutlich, dass die geringere Computernutzung sich nicht dadurch erklären lässt, dass sich die Gruppe der 55- bis 65-Jährigen in Bezug auf Ausbildung, Beruf und Sektorzugehörigkeit des Betriebs von der Gruppe der Jüngeren unterscheidet. Auch nach Berücksichtigung dieser Faktoren weisen Ältere eine rund 10 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit auf, mit einem Computer zu arbeiten. Analysen auf Unternehmensebene stützen diese Ergebnisse und zeigen, dass in IKT-intensiven Unternehmen geringere Anteile älterer Beschäftigter vorzufinden sind. Die im Vergleich zu Jüngeren unterdurchschnittliche Computernutzung scheint jedoch nicht ausschlaggebend für einen vorzeitigen Rückzug aus der Vollerwerbstätigkeit zu sein.

In einem weiteren Schritt wurden die Ursachen für die geringere Computernutzung älterer Arbeitnehmer untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass persönliche Faktoren wie die Lernfähigkeit oder die Aktualität des vorhandenen Wissens nicht ausschlaggebend sind für die Frage, ob Ältere mit Computertechnologien arbeiten. Vielmehr scheint die geringere Computernutzung Nebenwirkung der längeren Bezugsdauer von Arbeitslosenunterstützung und Frühverrentungsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer zu sein, die vom Gesetzgeber in den vergangenen drei Jahrzehnten eingeführt wurden. Diese Regelungen haben ceteris paribus die erwartete Beschäftigungsdauer Älterer und somit den Anreiz, in Humankapital zu investieren, reduziert.

Insgesamt lassen sich aus den Projektanalysen Rückschlüsse über die vielfältigen Verknüpfungen zwischen Lebensarbeitszeit, Humankapitalbildung und Technologienutzung ableiten. Die Ergebnisse deuten insbesondere darauf hin, dass diese Zusammenhänge bei der Konzeption von Politikmaßnahmen, die auf eine Ausweitung der Lebensarbeitszeit abzielen - wie sie aktuell in Deutschland diskutiert werden - nicht unberücksichtigt bleiben sollten.

Ausgewählte Publikationen

Beiträge in referierten Fachzeitschriften

Schleife, Katrin (2006), Computer Use and Employment Status of Older Workers - An Analysis Based on Individual Data, LABOUR: Review of Labour Economics and Industrial Relations 20 (2), 325-348.