Ökonomische Theorien weisen darauf hin, dass verheiratete Frauen im Vergleich zu verheirateten Männern stärkeren Mobilitätsrestriktionen unterliegen, die ihren räumlichen Zugang zu einer adäquaten Beschäftigung beeinträchtigen. Diese relative Immobilität von Frauen führt demnach zu einer Überqualifikation von Frauen, zu einer Sortierung von weiblichen Zweitverdienern in schlechter bezahlte Firmen und kann zudem zu einer Lohndiskriminierung führen, wenn Firmen lokal über Monopsonmacht verfügen. Für verheiratete Männer und Frauen ist ein Teil des Lohnunterschieds somit eventuell auf die relative Immobilität von Frauen zurückführen. Eine testbare Vorhersage der theoretischen Erklärungsansätze ist, dass das Lohndifferential zwischen Männern und Frauen in städtischen Agglomerationsräumen kleiner ausfallen sollte als in ländlichen Regionen, da die Mobilitätsrestriktion weniger bindend ist, wenn in räumlicher Nähe eine große Zahl differenzierter Arbeitsplätze vorhanden ist. Ziel des Forschungsvorhabens ist es zu untersuchen, ob ein solcher Zusammenhang für Deutschland gezeigt werden kann und ob ein Teil dieses Zusammenhangs durch eine Überqualifikation und Lohndiskriminierung von Frauen in kleinen Märkten erklärt werden kann. Ein besseres Verständnis der Bedeutung der verschiedenen Wirkungskanäle ist wichtig, um aus den Ergebnissen wirtschaftspolitische Empfehlungen abzuleiten. Zu diesem Zweck soll auch ein Augenmerk darauf liegen, ob verschiedene Personengruppen (z.B. Bildung, Haushaltskomposition, Migrationshintergrund) unterschiedlich stark von Mobilitätsrestriktionen betroffen sind.