Die Verdichtung komplexer steuerlicher Rahmenbedingungen zu aussagekräftigen quantitativen Maßen der effektiven Unternehmensteuerbelastung an einem Standort ist von erheblicher Bedeutung für Entscheider in Politik und Wirtschaft. Die Auswertung valider Steuerbelastungsmaße ermöglicht es, die aus dem Streben der Unternehmen nach Renditemaximierung resultierenden Anreizwirkungen der Besteuerung offenzulegen. Aus diesem Grund repräsentiert die Ermittlung von Steuerbelastungsmaßen regelmäßig das zentrale Element einer ökonomischen Evaluation steuerlicher Rahmensetzungen und möglicher Reformszenarien. Sämtliche bisher verfügbare Modelle klammern indes die real vorherrschende Heterogenität der Unternehmen aus. Insbesondere Verteilungsanalysen, aber auch Tendenzaussagen zu reformbedingten Änderungen des Steueraufkommens sind auf dieser bisherigen methodischen Grundlage nicht möglich. Die zentrale Herausforderung des von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten Forschungsvorhabens soll es sein, nach der Entwicklung eines mehrperiodigen Mikrosimulationsmodells ohne Berücksichtigung von Verhaltensreaktionen (ZEW TaxCoMM) die durch Änderungen der steuerlichen Rahmensetzung induzierten Verhaltensanpassungen auf Seiten der Unternehmen in dieses Konzept zu integrieren. Dies ist notwendig, um über eine reine Betrachtung von Erstrunden-Effekten hinaus fundierte Aussagen über Verteilungs- und Aufkommenswirkungen von Unternehmensteuerreformen treffen zu können.