Für die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland werden in der politischen Diskussion häufig die in den letzten Jahren stark angestiegenen Lohnnebenkosten verantwortlich gemacht. Die beabsichtigte Umverteilung der Steuerlasten vom Faktor Arbeit auf den Faktor Umwelt im Rahmen einer ökologischen Steuerreform hat somit nicht nur eine umweltpolitische, sondern auch eine starke arbeitsmarktpolitische Motivation. Ob es durch eine aufkommensneutrale Energiesteuer nicht nur zur Reduktion des Energieverbrauchs (erste Dividende), sondern auch zu den erhofften positiven Beschäftigungswirkungen (zweite Dividende) kommen wird, ist allerdings von wissenschaftlicher Seite her höchst umstritten. Entscheidend für die Beschäftigungseffekte ist die Inzidenz der Abgabensenkung, d. h. deren Überwälzung auf die realen Arbeitskosten und den realen Nettolohn. Ziel des Forschungsprojekts ist es, die potentiellen Auswirkungen des ersten Schritts der geplanten ökologischen Steuerreform auf die Beschäftigung, die internationale Wettbewerbsfähigkeit sowie die Entwicklung der CO2-Emissionen mittels eines angewandten allgemeinen Gleichgewichtsmodells möglichst realistisch abzuschätzen. Dabei steht nicht nur die deutsche Volkswirtschaft als Ganzes im Vordergrund der Analyse, sondern auch einzelne ausgewählte Sektoren, wie z. B. die chemische Industrie, der Maschinenbau oder Banken und Versicherungen. Insbesondere erfolgt eine methodische Weiterentwicklung des Modells im Bereich des Arbeitsmarktes durch Berücksichtigung endogener Lohnrigiditäten und unfreiwilliger Arbeitslosigkeit. Darüber hinaus werden verschiedene Ausnahmeregeln zum Schutz von export- und energieintensiven Branchen einer genaueren juristischen Betrachtung unterzogen.