In den letzten Jahren haben sich Ökonomen zunehmend kritisch mit der Praxis des Patentsystems auseinander gesetzt. Es ist unklar, ob das Patentsystem tatsächlich Anreize für höhere Investitionen in die Erforschung neuer Produkte und Prozesse schafft. Angesichts unübersichtlicher Situationen bei Patentrechten (Patentdickichte) und Patentverletzungsverfahren ist die positive Rolle des Patentsystems insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) fraglich. Andererseits zeigen verschiedene Arbeiten die essentielle Bedeutung des Patentsystems gerade für KMU und jungen Unternehmen auf, z.B. hinsichtlich der Erschließung von Finanzierungsoptionen oder der Überlebenswahrscheinlichkeit. Außerdem beginnt sich in einer Reihe von Industrien eine neue Arbeitsteilung zwischen Großunternehmen und jungen oder kleinen und mittleren Unternehmen zu etablieren. Während KMU die ersten Phasen des Inventionsprozesses prägen, betreiben international tätige Großunternehmen aufbauend auf den Inventionen von KMUs die Entwicklung und Vermarktung der Innovation. Diese Arbeitsteilung ist ohne intellektuelle Eigentumsrechte an Inventionen als „Zwischenprodukte“ kaum vorstellbar.
Bisherige Studien zur Bedeutung von KMUs im Patentsystem beschränken sich auf einzelne Länder, Technologien oder Branchen und/oder nutzen mehr oder weniger verzerrte Stichproben und Spezialerhebungen. In diesem Projekt soll erstmals eine umfassende Darstellung der Rolle vom KMUs im Patentsystem gegeben werden. Hierfür werden aufbauend auf eigenen Vorarbeiten und Arbeiten der OECD europäische Unternehmens- und Patentdaten zusammengeführt. Es werden Untersuchungen durchgeführt zum Beitrag von KMUs zum Erfindungsoutput im europäischen Ländervergleich. Durch die Implementation verschiedener Messkonzepte zur technologischen „Qualität“ von patentgeschützten Erfindungen wird zudem die Rolle von KMUs zu radikalen und höherwertigen Innovationen thematisiert.