Insbesondere in jungen Hochtechnologiebranchen wie der Biotechnologie, der Informationstechnik oder den Telekommunikationsdienstleistungen kommt den Unternehmensgründungen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in marktgängige Produkte und Prozesse zu. Ebenso wie in anderen europäischen Ländern war in den Jahren 1997 und 1998 ein rasantes Wachstum der Investitionen von Wagniskapitalfonds in neue Unternehmen zu verzeichnen. Diese explosionsartige Entwicklung löste eine Phase des konstanten Anstiegs der Wagniskapitalinvestitionen seit Beginn der Neunzigerjahre ab. Die Bundesregierung und einzelne Bundesländer haben in den neunziger Jahren erhebliche Anstrengungen zur Stimulierung des Wagniskapitalmarkts unternommen. Vor diesem Hintergrund beauftragte das BMWi das ZEW und das FhG-ISI, die Entwicklung der Gründungsaktivitäten in Hochtechnologiebranchen und die Rolle der Wagniskapitalfinanzierung zu untersuchen und Perspektiven für die weitere Entwicklung aufzuzeigen. Für die positive Entwicklung des deutschen Wagniskapitalmarktes lassen sich mehrere Ursachen ausmachen: Die Entstehung liquider Börsensegmente für junge und wachstumsstarke Unternehmen bietet den Venture-Capital-Investoren heute attraktive Möglichkeiten, aus einer zuvor eingegangenen Beteiligung auch wieder - mit einer entsprechenden Rendite - auszusteigen. Die Entwicklung des Neuen Markts war eine wichtige Voraussetzung für die stürmische Entwicklung des Venture-Capital-Markts in Deutschland. Dadurch profitierten auch die Anlagen in noch nicht börsennotierten Unternehmen von der boomenden Börse. Die Abschaffung der Vermögensteuer in Deutschland kam gerade rechtzeitig, um die einsetzende Dynamik des deutschen Beteiligungsmarkts zu unterstützen. Die Förderprogramme des Bundes und der Länder hatten ebenfalls eine stimulierende Wirkung auf die Entwicklung des Wagniskapitalmarktes in den neunziger Jahren. Fallende Renditen alternativer Anlagen, beispielsweise im Immobilienbereich, machten die Anlage von Kapital bei Beteiligungskapitalgesellschaften attraktiver. Die zunehmende Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, die den Anlagemöglichkeiten in Venture-Capital-Fonds zuteil wurde, und die in der Vergangenheit erzielten hohen Renditen einiger Venture-Capital-Fonds stimulierten die Entwicklung zusätzlich. Unternehmensgründungen in Hochtechnologiebranchen stellen aber eine recht heterogene Gruppe dar. Nur eine vergleichsweise kleine Anzahl von Unternehmen hat die häufig unterstellten ambitionierten Wachstumsziele. Die Mehrzahl der Unternehmensgründungen entspricht nicht den hochgesteckten Erwartungen in das zukünftige Wachstum und genügt daher den Ansprüchen von renditeorientierten Wagniskapitalfonds nur mit Einschränkungen. Die Angebotsseite des deutschen Wagniskapitalmarktes hat sich in den letzten Jahren stärker ausdifferenziert. Das Spektrum reicht von "klassischen" renditeorientierten Venture-Capital-Gesellschaften über (halb-)öffentliche Venture-Capital-Gesellschaften bis hin zu Privatinvestoren. Staatliche Programme spielen eine wichtige Rolle für die Gründungsfinanzierung durch Venture-Capital-Gesellschaften. Angesichts der rasanten Entwicklung sollte in Zukunft die staatliche Unterstützung stufenweise zurückgeführt werden und stärker auf Unternehmen mit einem ex ante eher geringen Wachstumspotenzial ausgerichtet werden. Des Weiteren sind Verbesserungen der Rahmenbedingungen angeraten, die den Mittelzufluss in Venture-Capital-Fonds stimulieren (z. B. Stimulierung des Engagements von Pensionsfonds, Reform der Unternehmensbesteuerung, sofortiger Verlustausgleich für junge Unternehmen), die die Gründungsneigung erhöhen und die Möglichkeit der jungen Unternehmen zur Gewinnung erfahrenen, qualifizierten Personals verbessern.

Ausgewählte Publikationen

Projektzeitraum

01.02.1998 - 31.12.1998

Kontakt

Kooperationspartner

Joachim Hemer, Dr. Marianne Kulicke, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Karlsruhe, DE