Die Digitalisierung wird als wichtigste Entwicklung der Wirtschaft seit der industriellen Revolution bezeichnet. Die Gestaltung und Nutzung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für digitale Geschäftsmodelle haben daher eine hohe Relevanz. Aktuelle Studien belegen internationale Diskrepanzen hinsichtlich zentraler Standortfaktoren für Innovation und Digitalisierung. Die steuerlichen Rahmenbedingungen sind ein wichtiger Standortfaktor und tragen zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen auf den extrem internationalisierten Märkten der digitalen Wirtschaft bei. Das Ziel des Projekts ist es daher, die speziell für die Ansiedlung digitaler Geschäftsmodelle relevanten steuerlichen Standortbedingungen in Deutschland im Rahmen einer Benchmark-Studie mit denjenigen in anderen Ländern zu vergleichen. Ein solcher Vergleich stellt ein Novum in der Wissenschaft dar, da steuerliche Faktoren in Studien mit Fokus auf die digitale Wirtschaft bislang vernachlässigt wurden. Basierend auf einer Analyse verschiedener digitaler Geschäftsmodelle anhand ihrer betriebswirtschaftlichen Kernelemente werden relevante steuerliche Faktoren (Bemessungsgrundlage, Steuersätze, Besteuerung grenzüberschreitender Transaktionen) herausgearbeitet. Diese fließen dann in die Berechnung eines steuerlichen Effektivmaßes ein. Dabei wird auf die Methodik von Devereux und Griffith (1999, 2003) zurückgegriffen. Anhand der Kennzahlen der Kapitalkosten und des effektiven Durchschnittssteuersatzes in Abhängigkeit der Standortwahl und des Geschäftsmodells können Aussagen hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit von Investitionen in digitale Geschäftsmodelle sowie der relativen Standortattraktivität einzelner Länder abgeleitet werden. Unternehmerische Investitionsentscheidungen und steuerliche Vorschriften für digitale Geschäftsmodelle können somit anhand eines objektiven Bewertungsmaßstabs abgewogen werden. Für Unternehmen und Politik sind entsprechende Erkenntnisse von besonderer Relevanz, da die Ansiedlung von wertschöpfenden Funktionen und Personal digitaler Geschäftsmodelle eine hohe Mobilität aufweist und internationale Märkte ohne bedeutende physische Präsenz im Marktstaat bedient werden können.