Im Rahmen dieser Studie erfolgte eine Analyse von Investitionsstrukturen in den europäischen Regionen. Die Determinanten der Allokation von Realkapital im Raum sowie der Einfluss der EWU wurden untersucht. Die (bislang vernachlässigte) Analyse von Kapitaldaten ist besonders wichtig, da Kapital im Vergleich zu Beschäftigung der mobilere Produktionsfaktor in der EU ist. Außerdem ist von der fortschreitenden Kapitalmarktintegration eine weitere Erhöhung der potentiellen Kapitalmobilität und damit möglicherweise die Neuallokation von Realkapital zu erwarten. Die empirische Analyse von Realkapital umfasste sektorale Direktinvestitionen in den deutschen Bundesländern sowie Bruttoanlageinvestitionen in Regionen der sieben EU-Länder Belgien, Frankreich, Italien, Großbritannien, Dänemark, Irland sowie Luxemburg. Die ökonometrischen Analysen konzentrierten sich jedoch auf die Bruttoanlageinvestitionen aus Gründen der Datenverfügbarkeit. Für alle Daten wurden sektorale Spezialisierungsindizes sowie der Grad der regionalen Spezialisierung relativ zur nationalen sowie zur EU-Struktur anhand dreier unterschiedlicher Indikatoren berechnet. Die ökonometrische Analyse für die Jahre 1985 bis 1994 untersucht zum einen die Determinanten des Grades der relativen regionalen Spezialisierung und zum anderen die Bestimmungsgründe sektoraler Spezialisierungsmuster. Es wurden unterschiedliche ökonometrische Verfahren sowie Modelle geschätzt, um die Robustheit der Ergebnisse zu prüfen. Alle Schätzungen führten zu sehr ähnlichen Ergebnissen sowohl für die Spezialisierung relativ zur nationalen als auch zur EU-Investitionsstruktur. Größere Regionen und Regionen mit einem höheren Marktpotential weisen eine signifikant geringere relative Spezialisierung auf. Regionen mit einer höheren Arbeitslosenrate oder Bevölkerungsdichte sowie einer Lage im ökonomischen Zentrum oder der Peripherie zeigen eine höhere Abweichung ihrer Investitionsstruktur zur Vergleichsstruktur. Zusätzlich scheint sowohl die steigende ökonomische Offenheit als auch die Kapitalmarktintegration erhöhend auf die relative Spezialisierung der EU-Regionen zu wirken. Eine solche stärkere regionale Spezialisierung geht entsprechend der Theorien einher mit Effizienz- und Wohlfahrtsgewinnen. Jedoch steigt mit einer geringeren Diversifikation der Produktion die Anfälligkeit der Regionen für asymmetrische Schocks. Außerdem sind die Wohlfahrtsgewinne nicht gleichmäßig auf alle Regionen verteilt. Besonders spezialisiert in ihrer Investitionsstruktur sind administrative Zentren sowie Peripherieregionen im Gegensatz zu anderen Regionen. Allerdings wirkt die unterschiedliche Lage beider Typen von Regionen verschieden auf die Investitionen der meisten Sektoren. Es zeigt sich zwar keine generelle starke Ballung von Sektoren des Verarbeitenden Gewerbes in den Untersuchungen. Die Lage einer Regionen im administrativen Zentrum bzw. in der Peripherie vermindert jedoch signifikant das Investitionsniveaus in den meisten Sektoren des Verarbeitenden Gewerbes bzw. erhöht es im Dienstleistungsbereich. Hierbei profitieren insbesondere die administrativen Zentren von relativ höheren Investitionen im zukunftsträchtigen Dienstleistungssektoren. Investitionen in öffentlichen Dienstleistungen sowie im Baugewerbe jedoch werden von den Peripherieregionen stärker angezogen. Die Entwicklung der Peripherieregionen muss weiterhin beobachtet und gefördert werden. Es gilt hierbei zum einen Regionen bzw. deren Bewohner durch flankierende, temporäre allokative Maßnahmen zu unterstützen, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung aber nicht durch ineffiziente Mittelallokation und einen verzerrten Strukturwandel zu bremsen.

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