Eine Quantifizierung der strukturellen Arbeitslosigkeit kann entweder auf der Ebene aggregierter Zeitreihendaten (z.B. durch Schätzungen der NAIRU) oder auf der Ebene stärker disaggregierter Daten (z.B. Regionaldaten zur Schätzung von Mismatch-Arbeitslosigkeit) vorgenommen werden. Bei der Schätzung der NAIRU ergibt sich regelmäßig das Problem, dass die Schätzung gegenüber alternativen Modellspezifikationen wenig robust ist (Franz 2005). In der Wissenschaft besteht kein Konsens über die Determinanten der strukturellen Arbeitslosigkeit. Dies spricht dafür, sich nicht allein auf das Konzept der NAIRU zu verlassen, sondern andere Ansätze in einer umfassenden Behandlung einzubeziehen. Dies kennzeichnet unsere Projektkonzeption. Der Begriff der strukturellen Arbeitslosigkeit wird in der öffentlichen und akademischen Diskussion nicht einheitlich verwendet. In der hier gewählten Operationalisierung bedeutet er Arbeitslosigkeit unter Abzug von konjunkturellen Komponenten. Er umfasst die friktionelle oder Sucharbeitslosigkeit, aber beispielsweise auch Arbeitslosigkeit infolge von Fehlfunktionen in der Lohnbildung oder Fehlanreizen in der sozialen Sicherung. Von internationalen Organisationen werden regelmäßig Schätzungen der strukturellen Arbeitslosigkeit vorgelegt. Diese haben den Vorteil der Vergleichbarkeit zwischen Ländern, können aber aufgrund ihres standardisierenden Ansatzes nationale Gegebenheiten nicht ausreichend berücksichtigen.