Die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft nimmt langsam Fahrt auf. Im Durchschnitt erreichen deutsche Unternehmen gegenwärtig einen Digitalisierungsgrad von 54 Punkten. Das geht aus dem aktuellen Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL 2017 - Kompakt des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Kantar TNS hervor. Prof. Dr. Irene Bertschek, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Information- und Kommunikationstechnologien“, stellte den Report gemeinsam mit Dr. Sabine Graumann von Kantar TNS auf dem diesjährigen Digital-Gipfel „Vernetzt besser leben“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWI) in Ludwigshafen am Rhein vor.

Prof. Dr. Irene Bertschek (links) und Dr. Sabine Graumann (rechts) übergeben Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries den Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL 2017.
Prof. Dr. Irene Bertschek (links) und Dr. Sabine Graumann (rechts) übergeben Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries den Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL 2017.

Unter dem Schlagwort digitale Transformation sollten nicht nur einzelne Arbeits- und Produktionsprozesse digital vernetzt werden, sondern vor allem einzelne digitale Stufen miteinander. „Unternehmen sind an erster Stelle mit ihren Zuliefern und Geschäftskunden vernetzt. Nur 34 Prozent vernetzen sich mit ihren Privatkunden. Insbesondere diese Akteure sind aber wichtige Impulsgeber“, erklärte ZEW-Ökonomin Irene Bertschek bei der Eröffnung des elften Gipfel-Treffens der IT-Branche in Deutschland, das am 12. und 13. Juni 2017 in der Metropolregion Rhein-Neckar erstmals unter dem Namen Digital-Gipfel stattfand. Digitale Vernetzung müsse zudem auch auf organisatorischer Ebene in Form von Kooperationen erfolgen. „Brancheninterne Kooperationen gehen Unternehmen häufiger ein, branchenübergreifende Zusammenarbeit müssen vielfach noch weiter intensiviert werden“, so Bertschek. Laut Monitoring-Report sehen drei Viertel der Unternehmen hierfür allerdings noch keinen Bedarf. „Wir müssen die Digitalisierung noch stärker in die Unternehmen tragen“, forderte Bertschek. Ein Umdenken für die digitale Transformation der Wirtschaft müsse generell erfolgen – derzeit würde ein Drittel der Unternehmen die Digitalisierung schlichtweg  nicht für notwendig halten. Zudem sei der dafür notwendige Prozess zu teuer, zu aufwändig und weise noch zu viele rechtliche Unsicherheiten auf.

„Digitalisierungsgrad der Unternehmen steigert sich kontinuierlich“

Die Bundesrepublik ist jedoch auch kein völliges Brachland, was den technologischen Wandel betrifft. „Der Digitalisierungsgrad der Unternehmen steigert sich kontinuierlich und wird bis 2022 58 Punkte erreicht haben. „Bisher zeigen Großunternehmen und Kleinstunternehmen den gleichen Digitalisierungsgrad, während der Mittelstand leicht hinterherhinkt.“, sagte Sabine Graumann. Auch schwanke der Digitalisierungsgrad erheblich je nach Branche: Hoch digitalisiert sei die IKT-Branche, mittelmäßig dagegen etwa die Chemie- und Pharmabranche sowie der  Fahrzeugbau – teilweise mit mehr als neun Punkten unter dem Durchschnitt. „Gerade in diesen Branchen müssen wir durch bewährte Beispiele lernen und verstärkt innovative Anwendungsfelder nutzen“, so Graumann.

„Wir müssen den Breitbandausbau vorantreiben“

Wie aus dem aktuellen Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL 2017 hervorgeht, sieht die Wirtschaft hierzulande dringenden politischen Handlungsbedarf: 81 Prozent der befragten Unternehmen wollen digitalisierungsfreundlichere rechtliche Rahmenbedingungen. 86 Prozent der Unternehmen messen der Förderung des Breitbandausbaus mehr Gewicht bei. Der größte Wunsch der deutschen Wirtschaft fand Gehör bei Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, die den Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL 2017 während der Auftaktveranstaltung offiziell in Empfang nahm: „Wir müssen den Breitbandausbau vorantreiben.“ Auch der Forderung nach mehr beruflichen Qualifizierungsangeboten und damit einer Beseitigung des Fachkräftemangels würde die Politik noch stärker nachkommen. In der Bringschuld sieht sich die Politik vor allem dem deutschen Mittelstand gegenüber. Die mittelständischen Unternehmen seien mit Arbeit ausgelastet, ihnen bliebe aktuell wenig Zeit, über „den Tellerrand zu blicken“, so Zypries. „Wir müssen unsere Mittelständler motivieren, sich mehr mit der Digitalisierung zu befassen.“

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