Am Dienstag, den 18. Juni 2013, sprach Dr. Ursula von der Leyen, MdB, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Vor rund 200 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichen Institutionen referierte sie zum Thema "Chancen schaffen für Europas Jugend".

Bundesministerin Ursula von der Leyen
Bundesministerin Ursula von der Leyen spricht am ZEW

Die Veranstaltung im Rahmen der Vortragsreihe "Wirtschaftspolitik aus erster Hand" wird vom Förderkreis Wissenschaft und Praxis am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung e.V. unterstützt.

Von der Leyen plädierte in ihrem Vortrag vor allem für stabile, duale Ausbildungsstrukturen und eine größere Mobilität der Jugendlichen in Europa. Von 25 Millionen Arbeitslosen in Europa seien derzeit rund sechs Millionen unter 25 Jahre alt, sagte die Ministerin. Diese hohe Jugendarbeitslosigkeit, die vor allem in den Ländern Südeuropas herrsche, stelle eine Gefahr für die Demokratie dar. "Einst bedeutete Europa Zukunft“, sagte von der Leyen. Frage man heute Jugendliche, was Europa für sie heiße, dann bekomme man zur Antwort, dass dieses Europa eine Zerreißprobe für sie darstelle.

Deutschland sei mit dem Problem der Jugendarbeitslosigkeit derzeit nicht so stark belastet wie seine Nachbarn, sagte die Arbeitsministerin. Sie rief ihren Zuhörern jedoch in Erinnerung, dass es auch hierzulande in der Vergangenheit nicht immer gut gelaufen sei: "Wir sollten nicht vergessen, woher wir kommen“, mahnte sie und verwies auf die Nachkriegszeit sowie auf die Phase vor zehn Jahren als Deutschland in der ökonomischen Krise als der "kranke Mann Europas“ gegolten habe.

Die Ministerin ging sodann in ihrem Vortrag auf mögliche Lösungsansätze für das Problem hoher Jugendarbeitslosigkeit in Europa ein. Eine rasche Verbesserung der Situation auf den Arbeitsmärkten sei dringend notwendig. Die Not in den Krisenländern müsse schnell gelindert werden, bevor sie in Gewalt umschlage, wie es jüngst etwa in Schweden der Fall gewesen sei.

Daher forderte die Ministerin Investitionen in langfristige und nachhaltige europäische Ausbildungsplätze, um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Durch das Heranziehen von europäischen Ländern mit unterschiedlichen Ausbildungsformen als Beispiel, versuchte sie den Vorteil des dualen Ausbildungssystems, welches auch in Deutschland praktiziert wird, zu verdeutlichen: Die Schweiz etwa verfüge über ein duales Ausbildungssystem und habe auch eine geringe Jugendarbeitslosigkeit. In den südlichen europäischen Ländern hingegen sei die duale Ausbildung bisher nicht bekannt und die Jugendarbeitslosigkeit hoch. Von der Leyen plädierte daher für ein duales Ausbildungssystem: Der Staat solle Berufsschulen bauen, während die Unternehmen in den Krisenländern die Ausbildungsstellen zur Verfügung stellen solle. Für den Erfolg eines solchen Konzepts seien allerdings die europaweite Anerkennung von Abschlüssen und eine europaweite Durchlässigkeit der Bildungssysteme unerlässlich.

Des Weiteren sollten die zahlreichen nicht besetzten Ausbildungsplätze in Deutschland in Zukunft europaweit vermittelt werden. Die Förderung der Mobilität und Freizügigkeit in Europa sei ein erster Schritt, um die Krise zu lösen. In den USA zögen 16-mal so viele Menschen wie in Europa des Jobs wegen über die Staatsgrenzen hinweg, sagte von der Leyen. Bestehende Sprachbarrieren in Europa, die zweifellos ein Hindernis darstellten, könnten mit vom Staat finanzierten Sprachkursen überwunden werden, so die Ministerin. Ein europäisches System zur Vermittlung von Ausbildungsstellen wiederum könnte über die bestehenden Ausbildungsangebote europaweit informieren – ein solches System fehle allerdings bislang. "Wir müssen den Jugendlichen eine Perspektive in Europa bieten, sonst wandern sie ab und werden ihre Chancen in Amerika oder Kanada ergreifen“, warnte von der Leyen.

 

Datum

18.06.2013

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